Zum Friedensfahrt Museum – oder das große Schwitzen

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Halle 10. Juli 2016
Warm, keine Wolke am Himmel. Ich schiebe mir die letzten Löffel von meinem Joghurtmüsli in den Mund und noch eine Banane hinterher. Stecke zwei weitere in die Trikotaschen, dazu noch zwei Packungen „Hip-Früchtespaß“. Die Tour ,die ich geplant habe, ist zwar lang, aber durch den Mangel an Höhenmetern nicht allzu anspruchsvoll – denke ich. Sie führt von Halle aus Richtung Norden nach Kleinmühlingen, einem kleinen 640 Seelendorf, und durch das Saaletal wieder zurück nach Halle. Die Besonderheit von Kleinmühlingen ist das dortige Radsportmuseum „Corse de la Paix“.

Kilometer 1–10
Über Radwege geht es Richtung Norden zum vereinbarten Treffpunkt, wo bereits Thorsten, Tom und Seb warten, und dann sind wir auch schon auf dem Weg.

Kilometer 11–20
In Cörmigk verlieren wir Thorsten, der heute nur eine kleine Runde drehen darf (die Familie). Er wird durch einen älteren Rennradler namens Hannes ersetzt, der zu uns aufgefahren ist. Sichtlich erfreut nicht der Einzige zu sein, der heute in die Pedale tritt. Ehe ich „Spitzengruppe“ sagen kann, lausche ich schon seiner Radvita. Diverse Marathons, wie z. B. Hamburg Cyclassics, jetzt aber leider zu alt für sportlich. Immer mal mit der Frau im Radurlaub. 65 Jahre, sein Revier, hier. Wärme ist super, nachher noch im Garten Mittagsschlaf. „Kurbelt flott“, denke ich. Hinter uns, Seb und Tom.

Kilometer 40–47
An einer Kreuzung sagt mein „Garmin“ geradeaus, Hannes zieht links. Ich höre auf meine geplante Route, und wir sind wieder zu dritt. Vor uns die Landstraße gesäumt von Pflaumenbäumen, über uns die Sonne und blauer Himmel. 23er-Schnitt. „Geht gut, heute“, denk ich mir.

Kilometer 47–62
Es wird wärmer und wir sind zügig unterwegs. In Calbe kurzer Stopp für Instagram, danach Baustelle und weiter Richtung Kleinmühlingen. „Wusste gar nicht, dass es hier so schön sein kann“, höre ich Seb hinter mir sagen, während wir durch eine von Bäumen gesäumte Straße fahren.

Kleinmühlingen
Ein schönes kleines Museum über die Geschichte der Friedensfahrt, mit vielen Exponaten aus dem DDR-Radsport und der Fahrradhistorie. Der Betreiber ist sehr freundlich und gesprächig, und kann mit einer Menge historischem Wissen auftrumpfen. Highlight: ein Rollentrainer auf dem Jan „Ulle“ Ulrich höchstselbst kostbaren Schweiß auf den Boden getropft hat. Und eine Rikscha aus Japan zum Ausprobieren.

Kilometer 62–70.
Mir war nicht klar, dass wir heute Sport machen. Aus der zügigen Ausfahrt wird mehr und mehr ein, zumindest für mich, anspruchsvolles Unterfangen. Nach dem entspannten Schlendern im Museum setzen Tom und Seb das vorherige Tempo unmittelbar fort. Das würde ich auch gerne, aber meine Beine sehen das anders. In der Hoffnung, dass es danach besser wird, quetsche ich mir eine Tube „Früchtespaß“ in den Mund (und leider auch auf´s Trikot) und spüle den klebrig süßen Geschmack mit purem Kleinmühlinger Leitungswasser hinunter – gar nicht mal so lecker.

Kilometer 71–80.
Die erhoffte Wirkung bleibt leider aus. Wahrscheinlich hätte ich meinem Körper viel früher etwas Energie zuführen sollen. Dafür gibt sich die Sonne jetzt richtig Mühe. Die Sachsen-Anhaltinische Landstraße gleicht einem Backofen mit Ober- und Unterhitze, und dazu ordentlich hoch aufgedrehter Umluft.

Kilometer 81–100
Tom und Seb vor mir werden immer kleiner. Mal wieder typisch für mich, aber Hauptsache ambitioniert angefangen. Wie spare ich denn jetzt am besten Körner? Am Horizont sehe ich Richtung Südwest eine Gruppe Windräder. Die Rotoren drehen sich schnell. Kein gutes Zeichen …

Kilometer 100–102
Eine scharfe Linkskurve in südwestlicher Richtung. Wir biegen ab und schon bläst uns eine unbarmherzig warme und ebenso starke Windböe entgegen. Es fühlt sich so an, als würden wir schlagartig stehen und treten, ohne vorwärtszukommen. Wäre das ein Rennen, ich wäre uneinholbar abgeschlagen und in den Wind gesetzt. „Da hat er nicht aufgepasst“, würde Jean-Claude Leclercq mich schamlos beim Zuschauer verpetzen. „Ob der noch mal rankommt? Großes Fragezeichen!“ Ich bin wieder dran. Tom und Seb haben gewartet. „Wollen wir schneller fahren?“, will Tom wissen. Bevor ich es denke, kommt ein „Nein“ über meine Lippen.

Kilometer 102–108
Die Straße liegt gerade vor uns, die Windräder drehen sich schnell. Links und rechts goldgelbe Felder. Moderates Tempo, 107 k zeigt das „Edge“. Meine Arme glänzen vom Schweiß. Tom tritt das kleine Kettenblatt. Das mache ich jetzt auch und kette 48x 8. Schwere Beine, das „Edge“ zeigt 33 Grad noch 10 km zur Georgsburg. Wir sind bereits im Saaletal.

Kilometer 109–125
Vertrautes Saaletal. Wenn man die Gegend kennt, wollen die Beine auch gleich wieder besser funktionieren. Die Georgsburg ist unser geplanter Verpflegungsbereich, den ich jetzt bitter nötig habe. Es gibt Pizza, alkoholfreies Bier und eine Pause für die Beine.

Kilometer 126–130
Nach dem Essen fühlt sich das alles gleich viel besser an. Das vertraute Revier liegt vor uns. Bis nach Hause ist es nur noch ein Katzensprung.

„Die größte Motivation bringt dir nichts, wenn du nicht auch die Beine hast.“
Lance Armstrong

rennrad halle saale

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